Irgendwas mit Medien! Generation Z oder Generation Me? Wo steht der Nachwuchs für die Kommunikation heute?

Wenn die Uni ruft, dann komme ich natürlich. Schließlich wollte ich einmal Lehrer werden. Auf Einladung von Dr. Alexandra Rome, Assistant Professor of Marketing, durfte ich neulich einen Vortrag an der ICN Business School Nürnberg halten. Vor ca. 30 Bachelor-Studenten (External Media and Communications) sollte ich aus der Praxis über das echte Leben eines Kommunikationsprofis erzählen, mit besonderem Augenmerk auf internationale Kommunikation. Das Semester hatte erst begonnen und die Studenten aus verschiedenen Ländern stehen eher am Beginn ihres Bachelor-Studiums. So weit so gut. Nicht der erste Vortrag den ich halte. Und seit Jahren engagieren wir bei LTC uns für den Nachwuchs: Zum Beispiel kommen über Kooperationen mit Universitäten (mit der LMU München oder CityU in HongKong) jedes Jahr Praktikanten zu uns. Und natürlich stellen wir Berufseinsteiger bei uns ein. Generation Z scheint uns also wohlvertraut. Allerdings kommt zu uns natürlich nur die Spitze des Eisberges: Nämlich die, die das eben wirklich wollen und die ein Bewerbungsgespräch mit uns geführt haben. Die spannende Frage für mich war also: Wie verhält sich die Generation Z in freier Wildbahn und in ihrer natürlichen Biosphäre? Sind es tatsächlich die als Generation Me verschrienen ich-bezogenen Neo-Biedermänner und -frauen?

Neben der Wissensvermittlung an sich wollte ich also herausfinden, wie denn die Studenten wirklich drauf sind. Zwar habe ich versucht, das branchenübliche Buzzword-Bingo zu vermeiden – schließlich wollte ich ja die jungen Gemüter nicht gleich total verunsichern. Aber ich habe mir tatsächlich Mühe gegeben, ein wirklichkeitsgetreues Abbild des Alltags eines Kommunikationsprofis zu geben: Workload, Hektik, Streß bei Krisen-PR, sowie das Abonnement auf einen Top-10 Platz der jährlichen „Most stressful Jobs“-Liste bei Forbes habe ich den Studenten/Innen nicht erspart. Und bei internationaler Kommunikation habe ich nicht darauf verzichtet, auf die Komplexität und die überall vorhandenen Tretminen hinzuweisen.

Und wie haben die Studenten reagiert?

Tja – was soll ich sagen? Die Studenten fanden das spannend! Die haben sich nicht von mir abschrecken lassen! Von wegen ich-bezogen, faul und unmotiviert. Es ging schon gut los: Einige fragten mich, ob sie meinen Vortrag aufnehmen dürften, die Meisten haben fleißig Notizen gemacht und parallel zum Vortrag Themen und Begriffe zur Vertiefung gegoogelt – überhaupt gab es viele Wortmeldungen und interessante Diskussionen. Das hat mich wirklich beeindruckt. Kluge Kommentare und sehr ernsthafte Fragen, auch zu Details, haben mich davon überzeugt, dass in den nächsten Jahren eine gut vorbereitete und hoch engagierte Generation in das Berufsleben eintreten wird. Damit meine ich nicht, dass die Studenten heute selbstverständlich im Digitalen leben und denken, sondern ich meine damit, dass diese Generation ein solides Fundament an Kommunikationsskills mitbringt und von Beginn an Mehrwert für Unternehmen und Agenturen schaffen kann. Kein Mensch muss einem Uni-Absolventen heute mehr erklären, was Content Marketing ist, oder wie man seine Zielgruppe erreicht. Wunderbar! Trotzdem – und das ist mein Punkt – entscheidet sich die Karriere in der Kommunikation nicht allein über das Handwerkszeug. Als professioneller Kommunikator, muss man eben professionell kommunizieren können. Hohe Servicementalität, Engagement, Begeisterung und Einfühlungsvermögen sind ganz wichtige Eigenschaften. Auch für die Generation Z – aber da wird mir nicht bange um die Zukunft. Zumindest nicht, wenn es um die Absolventen der ICN Nürnberg geht.

Thomas Hahnel, Managing Director LTC, seit etwa 35 Semestern exmatrikuliert.