Wie studiert es sich in Hong Kong?

Hallo, ich heiße Jenny und bin Studentin an der City University of Hong Kong (CityU). Dort studiere ich im zweiten Jahr Übersetzen und Dolmetschen vom Englischen ins Chinesische. Ich kann kaum glauben, dass ich die Hälfte meines Studiums bereits hinter mich gebracht habe und möchte in diesem Blogbeitrag meine Universität und das dortige Studienleben vorstellen.

Wo ich studiere

Die CityU ist eine junge und dynamische Universität im Zentrum von Hong Kong. Sie wurde 1984 unter dem Namen „City Polytechnic of Hong Kong“ gegründet und erhielt zehn Jahre später den offiziellen Status einer Universität.

Erklärtes Ziel der CityU ist es, sich als führende Einrichtung für Ausbildung und Forschung zu etablieren. Um das Lernen und Lehren so angenehm wie möglich zu machen, hat die Universität auf dem Hauptcampus genügend Ressourcen und Einrichtungen, um circa 20.000 Studenten zu betreuen und zu versorgen. Neben den modernen akademischen Gebäuden gibt es zudem auch großartige andere Einrichtungen, wie die gut ausgestattete Bibliothek. Sie ist ideal für Studenten, die arbeiten und forschen möchten. Die „Humanities Academy“ ist ein Teil der Bibliothek und hat einen für chinesische Architektur typischen rechteckigen Grundriss. Sie ist der perfekte Rückzugsort um in Ruhe zu lernen. Zwischen den Lehrveranstaltungen können wir in einem kleinen Kino Filme schauen oder 3D-Drucker für unsere Projekte nutzen. Eine andere Möglichkeit, seine Pausen zu verbringen ist ein Spaziergang durch den chinesischen Garten, wo ein Pfad vorbei an typischen chinesischen Pavillons führt.

Wie ein typischer Tag aussieht

Gleich am Anfang des Tages findet der schwerste Kurs statt – Simultandolmetschen. Im Sprachlabor bereiten sich alle auf die Übung vor. Wir sitzen in unseren Kabinen, setzen die Kopfhörer auf, hören eine Rede und übersetzen sie simultan. Während wir sprechen, müssen wir uns weiter konzentrieren und genau zuhören, um uns auf die Übersetzung des folgenden Satzes vorzubereiten. Da wir uns mit vielen verschiedenen Themengebieten wie z.B. Wirtschaft, Technologie oder Politik befassen, müssen wir uns vorher intensiv mit den wichtigsten Fragen beschäftigen. Diese Vorbereitung macht uns mit den wichtigsten Hintergrundinformationen vertraut und erleichtert die Übersetzung. Trotzdem kann es manchmal zu unerwarteten Situationen kommen, die die Übersetzung durcheinanderbringen können. Zahlen und Fachbegriffe zum Beispiel sind manchmal sehr schwer zu übersetzen und ich erinnere mich auch an eine Übung, bei der die Strophe eines chinesischen Gedichts rezitiert wurde. Das war ziemlich schwierig und ich war etwas nervös, aber nach einigen Sekunden Konzentration konnte ich die richtige Übersetzung liefern. Ich sehe jede dieser Übungen als spannendes Gehirntraining zur Verbesserung von Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Reaktion und Sprachkenntnissen.

Im zweiten Kurs geht es dann um Übersetzungen. Es heißt, dass Studenten für Übersetzung und Dolmetschen eine umfassende Grundbildung haben müssen, da die Übersetzungen aus vielen Themengebieten stammen können. Es gibt eine große Auswahl an Kursen, in denen unsere Kompetenzen weiter verbessert werden, nicht nur im Hinblick auf Sprache, sondern auch unter kulturellen Aspekten. Wir müssen zweisprachige Texte überprüfen, linguistische Studien lesen und juristische, audiovisuelle, mediale oder wirtschaftliche Dokumente übersetzen.

Im letzten Semester habe ich einen sehr interessanten Kurs mit Fokus auf wirtschaftliche Themen absolviert. Ich habe die Untertitel von Werbespots übersetzt und Videos synchronisiert. Zusätzlich dazu haben mir Linguistik-Kurse geholfen, die Unterschiede verschiedener Sprachen zu verstehen und ihre Struktur zu analysieren. Diese Kurse sind zwar anspruchsvoll, doch sie tragen dazu bei, dass wir uns verbessern und gute Dolmetscher werden.

Was ich neben den Kursen mache

Das Hochschulleben an der CityU ist lebendig und vielseitig. Wir sind nicht nur zum Studieren hier, sondern können auch ein breites Freizeitangebot nutzen und viele interessante Leute treffen. Im chinesischen Orchester der Universität kann man zum Beispiel seinem Interesse für traditionelle chinesische Musik nachgehen. Ich habe mich jeden Freitag in der Operngruppe engagiert um eine der wichtigsten Kunstformen chinesischer Kultur näher kennenzulernen. Zusätzlich wird der Campus regelmäßig als Ausstellungsort für Projekte zu Kunst und Geschichte genutzt. Außerdem gibt es zahlreiche Gelegenheiten für ehrenamtliche Tätigkeiten, z.B. das Unterrichten sozial benachteiligter Kinder während des Sommers. Wer andere Kulturen kennenlernen möchte, kann Austauschprogramme oder internationale Praktika absolvieren – also das, was ich gerade in München mache. So lernen wir mehr über das Geschäfts- und Lebensumfeld in anderen Ländern und kommen mit Menschen verschiedenster Herkunft zusammen. All das erweitert unseren Horizont

Bisher habe ich an Studienfahrten nach Südkorea, Shanghai und Peking teilgenommen. Diese wertvollen Erlebnisse haben mir die Chance gegeben, vielfältige Erfahrungen zu machen. In diesem Sommer mache ich ein Praktikum bei Lucy Turpin Communications. In einem anderen Blogbeitrag erzähle ich dann mehr über meine ersten tollen Erfahrungen hier – über den Kampf mit deutschen Türen, mein erstes Glas Leitungswasser und wie es ist, in die Welt der Kommunikation einzutauchen.

Jenny Lo Yim Wa