Was haben ein Jubiläum, 20 Jahre und Fahrrad fahren gemeinsam?

Da hat mich wohl mein Bildschirmhintergrund verraten: Zur selbstverherrlichenden Motivation sehe ich mich auf meinem Monitor auf einem MTB herumspringen. Sportlich nichts Besonderes, aber scheinbar genug Stoff für die lieben Kollegen mich jetzt damit zu konfrontieren: Es geht darum, einen neuen Blogeintrag zu schreiben. Ich wollte mich ja aus der Verantwortung ziehen. Aber meine Totschlagargumente, dass ich vor 20 Jahren ja noch nicht bei LTC gewesen wäre, oder dass ich zu alt wäre, um mich an die Vergangenheit zu erinnern, haben nichts geholfen. Jetzt sitze ich hier und muss was über Kommunikation, 20 Jahre und Rad fahren schreiben.

Die gute, alte Zeit

Meine Gedanken schweifen also in die Vergangenheit und ich beginne Anekdoten aus der „guten alten Zeit“ zu reaktivieren. Aber mal ganz ehrlich: Die alten Heldengeschichten interessieren niemand! Mein Bikepark-begeisterter Sohn zuckt mit den Schultern, wenn mir beim Anblick perfekt geshapter Flow-Trails die Tränen der Rührung in den Augen stehen und ich stammle: „Sowas hat es früher nicht gegeben!“ Genauso reagieren heute meine jungen Kollegen im Meeting, wenn ich erzähle, dass wir in der guten alten Zeit Pressenotizen per Brief verschickt haben. Und mal ganz ehrlich: Der Erkenntnis-Gewinn aus den ollen Kamellen für die aktuellen Kommunikations-Herausforderungen von Unternehmen ist auch eher gering. Das sollten die alten Haudegen nicht vergessen, wenn sie tief seufzend aus dem Pleistozän der PR erzählen: Der vorrauschauende Einsatz aktueller Tools ist entscheidend. Die Fähigkeit in die Zukunft zu denken, macht den Unterschied.

Technologie erhöht den Spaßfaktor

Und dabei sehe ich viele Menschen aber auch Kollegen und Kunden, die immer noch Vorbehalte an die digitale Zukunft haben. Da schließt sich für mich der Kreis zum Rad fahren: Wie oft habe ich früher geflucht über Komponenten die am laufenden Band zu Schrott gingen? Oder über dämliche Konstruktionen, die kompliziert zu warten waren? Heute dagegen erfreue ich mich an haltbaren und durchdacht konstruierten High-Tech-Boliden, die Features bieten, von denen wir vor 20 Jahren nicht mal geträumt haben: Full-Suspension, versenkbare Sattelstütze und Carbon lassen grüßen! Das heißt für mich ganz klar: Technologie erhöht den Spaßfaktor. Und genauso ist es in der Kommunikation. Die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation, neue Tools oder neue Ideen begeistern mich und sollten uns nicht Angst machen. Oder hat irgendein Radlfreak da draußen Angst vor einer neuen Reifengröße? Klar, man braucht nicht alles und man muss nicht jeden Trend mitmachen. Es lohnt sich, kritisch zu hinterfragen. Und: Es wird zunehmend schwierig, den Überblick zu behalten – in der Kommunikation aber auch beim Rad fahren: Wie viele Tretlagerstandards gibt es inzwischen? Aber wer einmal mit einem passenden Carbon-Fully durch den Trail geflogen ist, will nichts anderes mehr.

Eins ist aber auch klar: Man muss schon ein bisschen fahren können, damit man Spaß hat. Man muss also kommunizieren können, um kommunizieren zu können. Nur das perfektes Outfit und ein 10.000 Euro Mountainbike reichen nicht. Man muss immer noch treten! Und ein paar Skills müssen da sein. Genau wie in der Kommunikation. Die besten Tools nutzen nichts, wenn man Sie nicht bedienen kann. Das schönste Buzzword-Bingo besteht vor dem Kunden nicht, wenn man es nicht mit Leben füllen kann und wenn man keine Story hat.

Insofern haben die „Alten“ in der Kommunikation den Jungen evtl. doch etwas voraus: Wir können genießen! Denn wir wissen, wie schwer wir es früher hatten und welche fantastischen Möglichkeiten uns die schöne neue Welt bietet.

Thomas Hahnel