Pressemitteilungen im prä-digitalen Zeitalter

Als ich 1999 bei LTC anfing, war der Präfix Multi noch nicht multipräsent. Multi-Tasking bezeichnete die Fähigkeit von Betriebssystemen mehrere Aufgaben nebeneinander auszuführen. Im Bereich Multimedia waren animierte Gifs und erste kleine Filmchen (ich erinnere mich an ein tanzendes Baby) State of the Art. Der Begriff Multichannel war noch nicht geboren, was nicht weiter überrascht denn es gab nur zwei Kanäle: Brief und Fax.

Serienfax und Papierkrieg

Für Serienfaxe gab es sogenannte Fax-Server Software. Diese Software war nicht nur teuer, sondern auch höchst komplex. Zwar zählte damals der Anbieter Omtool zu unseren Kunden, aber für uns damals noch recht junge Agentur war diese High-End Lösung völlig überdimensioniert und viel zu kompliziert. Darüber hinaus hatten noch einige Redaktionen und die meisten freien Journalisten Faxgeräte mit Thermopapier, das heißt Papier auf Rolle und schlecht lesbar. Pressemitteilungen per Fax zu erhalten war deshalb nicht sonderlich beliebt. Faxgeräte mit Druckerpapier, wie heute üblich, gab es nur in den großen Verlagen.

Folglich verschickten wir Pressemitteilungen unserer Kunden ausschließlich postalisch. Mit einigen Aufwand und manchmal sogar mit etwas Blutvergießen. Wir haben uns nämlich nicht selten am Papier geschnitten, wenn wir Pressemeldung samt Begleitschreiben ins Kuvert schoben. Anfänglich haben wir sogar noch die Umschläge mit dem Stempel “Gebühr bezahlt” frankiert. Aber schon bald hatten wir davon genug, so dass wir vorgedruckte Kuverts bei einem Drucker in Auftrag gaben.

Täglich bis 17:00 Uhr mussten die Umschläge 100 stückweise gebündelt zur Post gebracht werden. Natürlich hätten wir sie auch abholen lassen können, aber oft warteten wir noch auf die Freigabe eines Zitats oder letzte Textänderungen vom Kunden. Bei den überwiegend US-amerikanischen Kunden kamen die Änderungswünsche meist erst ab 15:00 Uhr. Da war 17:00 Uhr eine echte Herausforderung, auch wenn’s zur Post nur 15 Minuten zu Fuß waren. Ausdrucken, klammern, konfektionieren und zusammen mit dem Begleitschreiben in den Umschlag – zugeklebt und fertig. Die Zeit saß uns im Nacken! Trotzdem waren aber genau diese Stunden, in denen wir emsig wie die Bienen alle mitanpackten, die kurzweiligsten und heitersten des ganzen Tages.

Dann wurden die fertigen Bündel in einen Einkaufstrolley (damals noch neckisch Rentnerporsche genannt) geschichtet um sie bequem zu transportieren und los ging’s zur Post – nur um sich dort in die Schlange einzureihen. Der Schalter für Massensendungen in der Post an der Münchner Freiheit war Abend für Abend so lang, wie jedermann sie sonst nur zu Weihnachten vom Paketschalter her kennt.

In unserem durchdigitalisierten Zeitalter ist so ein Presseversand kaum noch vorstellbar. Heute verschicken wir unsere Meldungen ganz einfach per Mausklick. Zwischen postalischen und elektronischen Versand gab es übrigens noch eine Übergangsphase in der die Pressemitteilungen per Diskette verschickt wurden. Gottseidank nur für ganz kurze Zeit!

Birgit Fuchs-Laine